Was das März 2024 Update so besonders macht
Am 5. März 2024 begann Google mit dem Rollout eines Core Updates, das in seiner Dimension alles Bisherige übertraf. Erst am 19. April 2024 – nach 45 Tagen – war der Rollout offiziell abgeschlossen. Google selbst kommunizierte ein explizites Ziel: die Menge an minderwertigem, nutzlosem Content in den Suchergebnissen um 40 Prozent zu reduzieren.
Was das Update so besonders macht: Es wurde nicht als einzelnes Update ausgerollt, sondern gleichzeitig mit drei neuen Spam-Policies, die Google ebenfalls am 5. März 2024 ankündigte. Diese Kombination aus algorithmischen Qualitätssignalen und manuellen Spam-Regeln traf viele Websites doppelt – und erklärt, warum sich manche Websites bis heute nicht erholt haben.
Für den Schweizer Markt kam erschwerend hinzu, dass viele KMU-Websites in den Jahren zuvor auf Content-Quantität gesetzt hatten – teilweise mit KI-generierten oder ausgelagerten Texten, die oberflächlich optimiert, aber inhaltlich dünn waren. Genau diese Websites standen nach dem 19. April 2024 mit leeren Händen da.
Die 3 neuen Spam-Policies
Gleichzeitig mit dem Core Update führte Google drei neue Spam-Richtlinien ein, die klarer als je zuvor definierten, was als manipulativ gilt. Diese Policies sind kein temporäres Phänomen – sie sind dauerhaft in Googles Qualitätsbewertung eingebettet.
1. Site Reputation Abuse (Parasite SEO)
Gemeint sind Drittinhalte, die eine etablierte Domain nutzen, um Rankings für thematisch völlig fremde Inhalte zu erzielen. Das klassische Beispiel: Eine Nachrichtenwebsite mit hoher Autorität erlaubt einem externen Partner, Casino- oder Finanz-Affiliate-Content unter ihrer Domain zu veröffentlichen. Google betrachtet dies als Ausnutzung der Domain-Autorität und sanktioniert sowohl den Host als auch den Drittinhalt. Für Schweizer Websites bedeutet das: Gastbeiträge und White-Label-Inhalte von externen Anbietern müssen genau geprüft werden.
2. Expired Domain Abuse
Das Kaufen abgelaufener Domains mit historischer Autorität, um diese mit neuem (oft minderwertigem) Content zu befüllen, ist keine neue Taktik – aber Google hat sie mit dem März 2024 Update explizit adressiert. Wer eine Domain mit altem Backlink-Profil erwirbt und darauf thematisch irrelevante Inhalte aufbaut, muss mit einer Neubewertung rechnen, die die historische Autorität weitgehend ignoriert.
3. Scaled Content Abuse
Diese Policy trifft am härtesten. Gemeint ist die massenhafte Erstellung von Inhalten mit dem Ziel, Suchanfragen abzudecken – unabhängig davon, ob die Inhalte tatsächlich nützlich sind. Das gilt explizit auch für KI-generierten Content, der ohne wesentliche menschliche Überarbeitung publiziert wird. Viele Schweizer Websites hatten in den Jahren 2022–2023 aggressiv Content-Fabriken aufgebaut, die nach dem März 2024 Update nahezu wertlos wurden.
Welche Websites gewonnen haben
Die Gewinner des März 2024 Updates lassen sich in ihrer Struktur klar identifizieren. Es sind nicht zwingend die grössten oder bekanntesten Websites – sondern jene, die konsequent auf echten Mehrwert gesetzt hatten.
| Merkmal | Warum es gewonnen hat |
|---|---|
| Klar erkennbare Autorenschaft mit nachweisbarer Expertise | E-E-A-T-Signal: Echte Erfahrung, nicht nur Wissen |
| Thematische Tiefe statt Breite | Fewer, better pages schlagen Content-Masse |
| Hohe Engagement-Signale (Zeit auf der Seite, niedrige Absprungrate) | Nutzerverhalten bestätigt algorithmische Qualitätswertung |
| Konsistente Content-Überarbeitungen | Aktualität als Qualitätssignal, besonders bei YMYL-Themen |
| Eindeutige Quelle: wer schreibt, warum, mit welcher Erfahrung | Trust-Signale werden von Google's Quality Rater Guidelines direkt adressiert |
| Starke interne Verlinkung und klare Seitenarchitektur | Topische Autorität wird durch Struktur sichtbar |
Welche Websites verloren haben
Die Verlierer-Muster sind gleichermassen klar – und erschreckend verbreitet. In der Schweizer SEO-Landschaft dominieren kleine bis mittelgrosse Websites, die in einem engen Wettbewerbsumfeld ohne grosse Ressourcen operieren. Viele haben auf Abkürzungen gesetzt, die kurzfristig funktionierten.
| Merkmal | Warum es verloren hat |
|---|---|
| Massenweise generierte Blogartikel ohne echten Informationsgewinn | Direktes Ziel des Scaled Content Abuse |
| Keine erkennbare Autorenschaft | E-E-A-T fehlt: Fehlende Experience-Signale |
| Hohe Absprungrate, kurze Verweildauer | Nutzer bestätigen algorithmisch die schlechte Qualität |
| Affiliate-Inhalte ohne eigene Produkterfahrung | Verstösst gegen Scaled Content und E-E-A-T gleichzeitig |
| Übermässige Werbung, schlechte Core Web Vitals | Nutzererlebnis als negativer Rankingfaktor |
| Thematische Inkonsistenz (über alles schreiben) | Keine topische Autorität aufgebaut |
Warum viele Schweizer Websites noch immer leiden
Zwei Jahre nach dem März 2024 Core Update ist die Situation ernüchternd: Ein erheblicher Teil der betroffenen Schweizer Websites hat noch immer nicht den Traffic-Stand von Februar 2024 erreicht. Die Gründe sind vielfältig, aber drei stechen hervor.
Fehldiagnose: Viele Website-Betreiber haben die Ursache des Ranking-Verlustes falsch identifiziert. Sie suchen das Problem in technischen Details – Ladezeiten, fehlende Meta-Tags, zu wenig Backlinks – während das eigentliche Problem die grundlegende Inhaltsqualität ist. Technische Optimierungen helfen nicht, wenn Google die Website algorithmisch als minderwertig eingestuft hat.
Halbherzige Massnahmen: Das Löschen einiger schlechter Artikel, das Hinzufügen von Autoren-Boxen ohne echten Inhalt oder das oberflächliche Überarbeiten bestehender Texte reicht nicht. Google erwartet eine grundlegende Verbesserung des gesamten Content-Niveaus einer Domain – nicht kosmetische Eingriffe.
Warten auf das nächste Update: Recovery nach einem Core Update kommt in der Regel erst beim nächsten Core Update. Wer nach dem März 2024 Update keine substanziellen Verbesserungen vorgenommen hat und auf das September 2024 oder März 2026 Update gehofft hat, wurde mehrfach enttäuscht – weil ohne echte Qualitätsverbesserungen auch die nächste Bewertung keine positive Änderung bringt.
Wichtig: Recovery kommt erst beim nächsten Core Update – wer jetzt wartet, verliert weiteren Boden. Jedes Core Update, das ohne spürbare Qualitätsverbesserungen passiert, ist eine verpasste Chance auf Erholung.
Der Recovery-Weg: Was wirklich hilft
Es gibt in der SEO-Community viele Ratschläge zum Thema Core Update Recovery – und die meisten sind entweder unvollständig oder irreführend. Hier ist, was nach unserer Erfahrung mit Schweizer Websites tatsächlich funktioniert.
Content-Audit mit Qualitätsbewertung: Der erste Schritt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme aller publizierten Inhalte. Nicht nach Länge oder Keyword-Dichte, sondern nach dem Kriterium: Würde ein Nutzer, der diese Seite besucht, tatsächlich besser informiert abgehen als vorher? Artikel, die das nicht erfüllen, werden entweder grundlegend überarbeitet oder deindexiert (nicht nur gelöscht – eine 301-Weiterleitung auf eine thematisch verwandte, starke Seite ist besser als einfaches Löschen).
Autorschaft sichtbar machen: Jede wichtige Seite braucht eine klar identifizierbare Person, die erkennbar Expertise und Erfahrung mitbringt. Das bedeutet: Autorenprofile mit echten Credentials, verlinkten LinkedIn-Profilen, nachweisbarer Berufserfahrung. Nicht als Schema-Trick, sondern als echte Qualitätssicherung.
Tiefe statt Breite: Statt 50 oberflächliche Artikel zu haben, ist es besser, 10 exzellente, umfassende Ressourcen zu besitzen. Topische Autorität entsteht nicht durch Quantität, sondern durch die Kombination aus Tiefe, Verlinkungsstruktur und konsistenter Qualität über ein Themengebiet hinweg.
Echte Erfahrung zeigen: Das "Experience"-E in E-E-A-T ist seit 2022 neu hinzugekommen – und das hat Gründe. Google unterscheidet zunehmend zwischen Wissen (das auch KI hat) und gelebter Erfahrung. Fallbeispiele, eigene Tests, konkrete Daten aus der eigenen Praxis – das ist, was Inhalte von KI-generiertem Text unterscheidet.
Weitere Details zu E-E-A-T und wie Sie es für Ihre Website umsetzen, finden Sie in unserem Artikel E-E-A-T 2026: Expertise, Experience, Authority, Trust.
Recovery-Zeitrahmen: Wann kann man Besserung erwarten?
Die ehrliche Antwort ist: Core Update Recovery dauert Monate, nicht Wochen. Und sie kommt fast ausschliesslich im Rahmen eines neuen Core Updates, nicht zwischen den grossen Updates.
Das typische Muster sieht so aus: Sie nehmen substanzielle Qualitätsverbesserungen vor. Diese werden von Google gecrawlt und indexiert – das dauert je nach Domain-Grösse zwei bis sechs Wochen. Beim nächsten Core Update bewertet Googles Algorithmus Ihre Website neu – und wenn die Verbesserungen wirklich substanziell waren, reflektiert sich das in den Rankings.
Was das konkret bedeutet: Wenn Sie heute, im April 2026, mit einem seriösen Recovery-Prozess beginnen, können Sie beim nächsten grossen Core Update – erfahrungsgemäss im Herbst 2026 – erste positive Signale erwarten. Vorausgesetzt, die Massnahmen sind umfassend und konsequent.
Wenn Sie nicht sicher sind, ob und wie stark Ihre Website betroffen ist, bietet unsere SEO-Strategie-Analyse eine fundierte Grundlage. Im Rahmen unseres OnPage-SEO-Prozesses arbeiten wir systematisch die Qualitätslücken auf, die Core Updates freilegen.
| Phase | Massnahme | Erwarteter Zeitrahmen |
|---|---|---|
| Diagnose | Content-Audit, Identifikation der schwachen Seiten | 1–2 Wochen |
| Bereinigung | Deindexierung oder Weiterleitung schwacher Content | 2–4 Wochen |
| Aufbau | Grundlegende Überarbeitung und Neuerstellung | 2–4 Monate |
| Sichtbarkeit | Erste Google-Neubewertung beim nächsten Core Update | 3–6 Monate nach Beginn |
| Vollständige Erholung | Mehrere Update-Zyklen mit konstant guten Signalen | 6–18 Monate |
Eine vollständige Übersicht aller wichtigen Google-Updates und deren Auswirkungen finden Sie in unserer Google-Updates-Chronik 2021–2026.